Mein Bildungsweg

In Syrien habe ich Agrarwissenschaften studiert. Wegen der Ereignisse in meinem Heimatland musste ich mein Studium im Jahr 2012 abbrechen und habe im Familiengeschäft gearbeitet. Nach einigen Jahren habe ich keine Zukunft mehr in meinem Heimatland gesehen und bin nach Deutschland gekommen. Als ich ankam, konnte ich kein Wort Deutsch. Im Integrationskurs beim Internationalen Bund habe ich dann Deutsch bis zur Stufe B1 gelernt. Nachdem ich unter großen Schwierigkeiten meine Dokumente aus Damaskus bekommen habe, konnte ich mich bei der Uni Göttingen beraten lassen, einen Intensivkurs in Deutsch machen und mir als Gasthörer verschiedene Vorlesungen anhören. Eigentlich wollte ich gern wieder ein Studium im Bereich Agrarwissenschaften aufnehmen, aber meine Studienleistungen wurden nicht anerkannt und ich hätte ganz von vorn anfangen müssen. Außerdem hat mir die Arbeitsagentur gesagt, dass ich bessere Aussichten auf eine Arbeitsstelle im Bereich Gesundheit habe. Weil ich mit meiner Familie nicht wieder umziehen wollte, war ich froh, dass mir eine Beraterin von NeSt den Studiengang Medizintechnik an der HAWK empfohlen hat. Ich habe auch sofort einen Platz bekommen und das BAföG reicht für meine Familie und mich. Demnächst mache ich meine Bachelorarbeit. Das Thema ist noch nicht ganz fest, aber wahrscheinlich beschäftige ich mich mit bildgebenden Verfahren und automatisierter Diagnostik. Anschließend habe ich gute Chancen einen Job zu finden, aber vielleicht mache ich noch einen Masterstudiengang. Das weiß ich noch nicht. Es ist nicht einfach Zeit für Studium und Familie zu finden. Meine Kinder sind noch klein und meine Frau möchte auch die deutsche Sprache und Menschen kennenlernen. Wichtig, um in Deutschland anzukommen, ist die innere Motivation, dass du dich weiterentwickeln willst, die Sprache lernen willst. Für mich war auch wichtig mit anderen Menschen zu arbeiten und zu studieren. Sie kennenzulernen und sich gegenseitig zu helfen. In Syrien ist es eher die Großfamilie, die dich unterstützt. Hier sind es eher Kollegen, Bekannte und Freunde. Viele von ihnen haben einen anderen kulturellen Hintergrund und eigene Meinungen. Da darf man keine Vorurteile haben.

Mein Bildungsweg

In Simbabwe habe ich ein Abitur gemacht, anschließend Finanzwissenschaft studiert und habe 8 Jahre ziemlich erfolgreich in dem Bereich gearbeitet. Die Arbeit hat mir aber nicht gefallen.

Ich bin in einer großen Familie aufgewachsen und saß plötzlich fast nur noch alleine in meinem Büro. Als ich die Chance hatte nach Deutschland zu kommen, wollte ich neu anfangen und mit Menschen arbeiten.

Weil mein Heimatland eine ehemalige britische Kolonie ist und das Schulsystem sehr ähnlich zu dem britischen ist, wurden meine Abschlüsse in Deutschland ohne Probleme anerkannt. Bei späteren Bewerbungen habe ich aber schnell erkannt, dass Arbeitgebern die Inhalte meines Studiums nicht genügen.

Nach meinem Integrationskurs bei der Beschäftigungsförderung Göttingen habe ich gleich einen Intensivkurs für Deutsch an der Volkshochschule drangehängt.

Dort habe ich Stefanie Handke aus dem NeSt-Team kennengelernt, die im Kurs ihr Beratungsangebot vorgestellt hat. Ich habe anfangs zwischen Sozialarbeit und Pflege geschwankt. In der Beratung habe ich dann von den ausbildungsbegleitenden Studiengängen gehört und mich beworben.

Eigentlich wollte ich gern in Göttingen studieren, aber das hat nicht geklappt, weil ich am Anfang meiner Ausbildung noch kein Deutsch-Level C1 nachweisen konnte. Im ersten Lehrjahr konnte ich mich aber bei der Hochschule Hannover einschreiben. Wenn ich im August meine Ausbildung abgeschlossen habe, muss ich noch zwei Jahre berufsbegleitend für meinen Bachelor Pflege studieren.

Wenn ich meine Ausbildung abgeschlossen habe, hoffe ich sehr, dass ich meine Familie zu mir holen kann. Dann verdiene ich auch mehr als mein Ausbildungsgehalt, selbst wenn ich keine volle Stelle arbeite.

Am Anfang, wenn man nach Deutschland kommt, ist es sehr schwierig zu verstehen: Was bedeutet mein „Aufenthaltsstatus“? Was will das BAMF von mir? Die Sprache zu beherrschen ist der Schlüssel zu fast allem.

Zweitens ist es wichtig sich Rat zu holen. Viele Informationen, die man braucht, sind schwer zu finden. Da braucht man Menschen, die sich auskennen.

Drittens, wenn man wie ich Familie in der Heimat hat, muss man abwägen, ob man das Geld das man verdient dazu benutzt um voranzukommen oder seine Familie zu unterstützen.

Ich schicke jeden Monat Geld nach Simbabwe, aber ich brauche auch einen ruhigen Platz zum Lernen und muss nach Hannover zur Hochschule fahren. Das kostet Geld. Man muss für sich abwägen, was gerade wichtiger ist.

Später, wenn ich eine gute Ausbildung habe, verdiene ich auch mehr und kann besser unterstützen. Das ist aber schwer, wenn die Familie andere Erwartungen hat.

Mein Bildungsweg

Ich habe bereits im Iran Physiotherapie studiert und danach als Therapeutin gearbeitet.

Um in Deutschland studieren zu können, habe ich am Goethe-Institut Deutsch gelernt und dort den TestDaF gemacht. Mein Bachelorstudium wurde von der HAWK anerkannt und ich konnte dort mein Masterstudium beginnen.

Um meinen Lebensunterhalt zu verdienen, wollte ich gern neben meinem Studium in einer Physiotherapiepraxis arbeiten.

Weil dafür eine Berufsausbildung nötig ist, musste ich alle Studienunterlagen durch einen vereidigten Übersetzer ins Deutsche übertragen lassen und beim Niedersächsischen Landesamt für Soziales, Jugend und Familie die Anerkennung beantragen. Das hat mich viel Geld gekostet.

Am Ende sollte ich noch 1.000 Unterrichtsstunden nachholen, um in dem Beruf arbeiten zu dürfen. Das konnte ich nicht.

Zum Glück hat mich eine Dozentin an der HAWK auf die Anpassungsqualifizierung am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf aufmerksam gemacht. Dort konnte ich kostenlos studienbegleitend lernen und nach 6 Monaten meinen Abschluss bekommen.

Jetzt arbeite ich neben meinem Studium in einer physiotherapeutischen Praxis. Das macht mir sehr viel Spaß. Nach meinem Masterabschluss würde ich gern in der Forschung arbeiten, aber vielleicht studiere ich auch weiter, z. B. im Bereich Public Health.

Ich habe immer noch Schwierigkeiten meine Hausarbeiten auf Deutsch zu schreiben und meine Meinung in Fachdiskussionen zu sagen. Die akademische Sprache ist schwieriger als das Deutsch im Alltag.

Deshalb lerne ich immer noch weiter, um mein Deutsch zu verbessern. Dafür bietet meine Hochschule Sprachkurse für ausländische Studierende an.

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